UR EINEN SEUFZER LANG         

        von ANNE PHILIPE

"Ich wache früh auf. Es ist noch Nacht. Mit geschlossenen Augen versuche ich, in den Schlaf zurückzufinden, doch ich sinke nicht tief genug. Ich bleibe an einem trostlosen grauen Strand, auf halben Wege zwischen Wirklichkeit und Albtraum. Besser wäre es, Licht zu  machen und zu lesen, um die Labyrinthe zu meiden, in die sich die Gedanken verlieren......."

"....Ich möchte gehen, niemals stehenbleiben. Nur so scheint das Leben mir möglich. Ich liebte den Einklang unserer Schritte - er war die schönste aller Wirklichkeiten. Wohin wende ich mich heute, denn gehen heißt nicht nur, einen Fuß vor den anderen setzen. Wo liegt mein Ziel? Ich gehorche den Befehlen der Notwendigkeit: Leben und anderen zu leben ermöglichen. Das ist fast leicht, und nur so, indem ich die Dinge auf das Elementare zurückführe, kann ich vollbringen, was zu tun ist....."

Dieses Buch der Witwe von Gérard Philipe ist Meditation über Liebe und Tod. Dialog mit einem Schatten, Gespräch mit sich selbst - jenseits aller Zeit. Vergangenheit, Gegenwart, Orte und Begebenheiten verschmelzen in einer Klage, die nicht allein aus der Einsamkeit kommt. Verzweiflung und Auflehnung von Herz und Verstand angesichts einer Trennung für immer, geben dieser Prosa Motiv, eine herzzerreißende Gelassenheit, die sich in jedem Satz ausdrückt.

In der Überwindung einer unermesslichen Trauer, der das zarte Empfinden einer Frau unserer Tage Sprache verleiht, vernimmt der Leser nicht ohne tiefe Bewegung das Echo der großen Stoiker.

...."Monate, Jahre vergehen, die Jahreszeiten kehren wieder. Wieder ist Frühling. in der reglosen Luft trifft er mich in Wellen. Er gibt mir Kraft und Hoffnung und nimmt sie mir wieder. ....

...."Die Ruhe, die ich gefunden zu haben glaubte, die Weisheit, auf die ich stolz war, die gefaßten Entschlüsse, die hingenommene Wirklichkeit, das besänftigte Aufbegehren, der gelinderte Schmerz, all meine schönen Festungen sind nur noch Sand...."

...."Der Frühling tut weh. Ich möchte ihn um Gnade bitten. Jedes Jahr hoffe ich, dass ich entweder bereit sein werde, ihn zu erleben, oder vergessen habe, wie er ist. Bin ich denn nicht einen Schritt weitergekommen? Bin ich wie das Eichhörnchen auf seinem Rad im Käfig gefangen? Und wenn ich seit deinem Tod zusammengekauert im Bett geblieben wäre, wäre dann nicht alles schlimmer geworden?.....

...."Die linde Luft weckt Gedanken an das Gewesene und an das, was wäre, wenn du da wärest. ich weiß, dass diese Träumerei nur Unfähigkeit ist, der Gegenwart zu leben. Ich lasse mich von der Strömung forttragen, ohne zu weit voraus oder zu weit in die Tiefe zu blicken. Ich warte auf den Augenblick, in dem ich wieder Kraft finde. Er wird kommen. Ich weiß das, dass das Leben mich noch in seinem Bann hat....

....Ich will mich retten, nicht mich von dir befreien!"

Der "New Yorker" schrieb: "In diesem Buch sehen viele einen der wichtigsten Beiträge zur modernen französischen Literatur. Der Schmerz einer Frau ist hier ergreifend formuliert. Ein selten kraftspendender Trost als Zeugnis der Liebe in unserem liebeleeren Jahrhundert."

Anne Philipe, zwischen den beiden Weltkriegen in Brüssel geboren, lebt seit 1938 in Paris. Sie ist Mitarbeiterin des Museè de I'Homme und drehte volkskundliche Filme in Äquatorialafrika. 1949 gründete sie zusammen mit Jean Rouch das Comité du Film Ethnographique. Als Journalistin ist sie ständige Mitarbeiterin von >Les Lettres Francaises<, >Libération> und >Le Monde<.

 

 

EBT MIR MEINE KINDER ZURÜCK   

            ZWANGSADOPTION in der ehemaligen DDR.

         von INES VEITH (Goldmann-SCHICKSALE&HORIZONTE)

WELCHEN WERT

hat eine Ideologie,

die Kinder

ihren Eltern wegnimmt,

um sie als Werkzeug

eigenen Machtstrebens

zu missbrauchen???

 

"Es waren nur simple grauen Zettel. Im Din-a5-Format. Amtsdeutsch mit Schreibmaschine. ZUR KENNTNISNAHME! Der Adressat: Gefangene(r) Nr. So-und-so...; der Absender: Irgendein Jugendamt....; die Botschaft: >Mit dem heutigen Datum entziehen wir Ihnen das Sorgerecht für Ihre Tochter....Für Ihren Sohn....!

Diese Nachricht genügte, um Eltern ihr Kind zu rauben. Diese Nachricht genügte, um dem betroffenen Kind eine neue Identität zu verpassen. ZWANGSADOPTION! Aus politischen Gründen! Geschehen in der ehemaligen DDR!

DER FALL GALLUS

Der politische Leidensweg von Jutta Gallus begann im Sommer 1982. Sie war geschieden, ihre Mutter gerade an Krebs gestorben und ihr zwölfter Ausreiseantrag abgelehnt worden. Jetzt wollte sie nicht mehr länger warten. Sie wollte endlich mit ihren Töchtern Claudia und Beate in den Westen. Zumal ihr Vater schon seit dreißig Jahren in der nähe von Aachen lebte....

In ihrer Verzweiflung riskierte sie eine Flucht mit einer Schlepperorganisation. Es war ein absolut sicherer Tipp......

IM NAMEN DES VOLKES.....

Drei Jahre wegen Republikflucht! Strafvollzugsanstalt Stollberg/Hoheneck! Für Jutta war das Strafmaß unfassbar. Wie konnte ein Mensch wegen Nichts, aber auch gar Nichts, so lange hinter Gittern gesteckt werden? Sie hatte niemanden beleidigt, niemanden etwas weggenommen, niemanden verletzt. Dafür sollte sie drei Jahre in Haft, sollte drei Jahre von ihren Kindern getrennt sein......

DER FALL MAURITZ

Der Leidensweg der Gisela Mauritz begann in den siebziger Jahren. Mitten in Deutschland. Und alle sahen weg.

...Konnte sie es wagen? Diesen gewaltigen Schritt zu tun? Eine Flucht? War das nicht zu riskant für sie und ihr Kind? Jeder Mensch hatte doch nur ein Leben zu verantworten. Wäre es da nicht töricht, solch eine Chance einfach an sich vorbeiziehn zu lassen? Was hatte sie aufzugeben? Der Westen würde ihr und Alexander ein besseres und schöneres Leben bieten...

Sie würde die Flucht ja nicht auf eigene Faust wagen. Sie hatte es doch mit Profis zu tun.....

IM NAMEN DES VOLKES....

Viereinhalb Jahre wegen Republikflucht! Strafvollzugsanstalt Sollberg. Das waren 54 Monate! 1642 Tage! Viereinhalb Jahre ausgeschlossen vom normalen Alltag! Wegen Republikflucht! Getrennt von ihrem Kind.....

ZWANGSADOPTION

Kann es ein grausameres Verbrechen eines Staates geben, als Müttern aus politischen Gründen die Kinder wegzunehmen, sie einer fremden Familie zur Adoption zu geben und sie für alle Zeiten ihrer wahren Identität zu berauben?

Jutta und Gisela Mauritz haben beide auf schmerzhafteste Weise erfahren müssen, welche Konsequenzen es hat, wenn man sich in einem totalitären Staat nicht konform verhält. Sowohl Jutta mit ihren beiden Töchtern als auch Gisela mit ihrem Sohn hatten nach mehrfachen, erfolglosen Ausreiseanträgen versucht, die ehemalige DDR auf dem Fluchtweg zu verlassen. Beide wurden gefasst, von der Stasi ihrer Kinder beraubt und zu jahrelangen Haftstrafen unter wahrhaft unmenschlichen Bedingungen verurteilt. Wie sie erst um ihre Ausreise in die BRD kämpften und dann um das Recht ihre Kinder bei sich zu haben, schildert INES VEITH, die gerechte Empörung über diese Unmenschlichkeit und warmherziges Mitgefühl für die Opfer des SED-Staates zu wecken weiß.

Seit der Öffnung der Mauer, mehr noch, seit der Ost-Berliner Markus Zimmermann im Archivkeller des Bezirksamtes Berlin-Mitte entsprechendes Beweismaterial fand, hat sich bestätigt, was Ost- und West-Politiker jahrzehntelang geleugnet haben: In der DDR gab es politisch motivierte Zwangsadoptionen. Wegen politischer Unzuverlässigkeit wurden den Eltern ihre Kinder entrissen und linientreuen Genossen-Genossinnen zur Adoption übergeben.

Die Autorin INES VEITH, geb. 1955, studierte in Köln Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Philosphie und Kunstgeschichte. Im Anschluß an ihr Studium arbeitete sie zwei Jahre beim WDR und ist seither als freie Journalistin und Autorin tätig. Mit großem Engagement befasst sie sich seit Jahren mit den Schicksalen der Familien Gallus und Mauritz, mit denen sie von Anbeginn ein freundschaftliches Verhältnis verband.

 

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